Klimaschutzkonzept

Unser Statement zum Klimaschutzkonzept der Stadt Halle – Das angeblich in Zusammenarbeit mit FFF entstandene Klimaschutzkonzept ist entgegen unserer Forderungen immer noch nicht konkret formuliert. Halles Emissionen pro Kopf liegen zwar nach BISKO-Standard unter dem bundesweiten Durchschnitt, jedoch wird dabei einiges nicht berücksichtigt, weshalb das Klimaschutzkonzept unserer Meinung nach schon auf dem falschen Fundament aufbaut. Um das Pariser Klimaziel von 1,5° zu erreichen, müssen die jährlichen Emissionsreduzierungen schon anhand des BISKO-Standards verdoppelt werden. Liebe Stadt, das könnt ihr besser! Unser Forderungspapier finden Sie übrigens jederzeit unter https://fff-halle.de/forderungen/.

Anmerkungen der Scientists for Future zum Klimaschutzkonzept (Zusammenfassung): https://fff-halle.de/wp-content/uploads/2020/06/Anmerkungen-zum-KSK-FFF-Version-Stand-06-06-2020.pdf

Quellen

Video Klimaschutzkonzept der Stadt
Videobeitrag zur Klimabilanz Halle der Scientists for Future

Ab 4:26

Zu Abbildung 1: Vergleich Halle und Deutschland

Hertle, H., Dünnebeil, F., Gebauer, C., Gugel, B., Heuer, C., Kutzner, F. et al. (2014). Empfehlungen zur Methodik der kommunalen Treibhausgasbilanzierung für den Energie- und Verkehrssektor in Deutschland. ifeu – Insitut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH.

Zu Abbildung 4: Stadtfläche

Hertle, H., Dünnebeil, F., Gebauer, C., Gugel, B., Heuer, C., Kutzner, F. et al. (2014). Empfehlungen zur Methodik der kommunalen Treibhausgasbilanzierung für den Energie- und Verkehrssektor in Deutschland. ifeu – Insitut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH. S. 76

Danksagungen

Danke an die Students for Future, Scientists for Future und alle anderen Beteiligten fürs Mitmachen!

Ein großes Dankeschön auch nochmal an den Offenen Kanal Wettin, welcher uns freundlicherweise die Technik zur Verfügung gestellt hat und an das Riesenklein, bei denen wir drehen durften!

KohleEINstiegsgesetz verhindern

Am 03. Juli 2020 steht im Bundestag das Kohleausstiegsgesetz auf der Tagesordnung. Das Gesetz soll die Empfehlung der 2018 eingesetzten Kohle-Kommission umsetzen. In diesem mit Intransparenz und Lobbyismus durchzogenen Prozess wurde sich auf das Abschalten aller Kohlekraftwerke bis 2038 geeinigt.
Um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und nicht radikale Umweltveränderungen loszutreten, müssen wir unsere gesamten (Netto-)Emissionen bis spätestens 2035 auf null senken. Von anderen C02-Schleudern ganz zu schweigen, ist schon allein deshalb 2038 viel zu spät.
Außerdem sieht das Gesetz vor, die abgeschalteten Kapazitäten durch neue fossile Gaskraftwerke zu ersetzen. Das nimmt Raum, der von erneuerbaren Energien gefüllt werden könnte.
Außerdem ist geplant die Kraftwerksbetreiber mit 4,3 Mrd. Euro zu entschädigen, für zumeist uralte Kraftwerke, welche sowieso bald unrentabel und von selbst vom Netz gegangen wären.
Dadurch wirkt es nicht wie Kohleausstiegs-, sondern wie ein Kohleverlängerungsgesetz. Das viele Geld für alte Kraftwerke sollte man lieber den Menschen geben, die ihre Arbeit verlieren und den Strukturwandel befördern.

Kohleausstieg 2038 bedeutet, dass weitere 18 Jahre lang Dörfer verschwinden, Menschen ihre Heimat verlassen müssen und weiterhin Wälder Tagebaugruben weichen. Außerdem werden weitere 18 Jahre Quecksilber und viele weitere Schadstoffe aus den Kohlemeilern die Gesundheit von Menschen verschlechtern und Deutschland wird auch zukünftig auf irrsinnige Kohleimporte aus Russland, Kolumbien und Australien angewiesen sein.
Deshalb fordern wir einen Kohleausstieg bis spätestens 2030, wie es andere europäische Saaten vormachen. Zusätzlich zum Ausstieg brauchen wir einen Einstieg in erneuerbare Energien in Form einer massive Förderungen, um Solar- und Windenergie ausreichend ausbauen zu können. Denn statt Kohle Gas zu verbrennen, ist keine Alternative, wenn man den Planeten erhalten will, wie wir ihn kennen.
Etwas zu tun ist nicht schwer. Redet darüber mit Freunden oder eurer Familie davon und schreibt einen Nachricht an euren Abgeordneten oder Abgeordnete. Helft mit Zukunft zu gestalten. Schließt euch den zahlreichen Protesten gegen das Kohlegesetz an und kommt am Freitag, den 03.06., um 17 Uhr auf den Marktplatz zu unserer Fahrraddemo und schließt euch anschließend der Critical Mass an.

Kohleausstieg im europäischen Vergleich:

2022: Frankreich, Schweden

2025: Österreich, Irland, Italien, Großbritannien

2029: Finnland, Niederlande

2030: Dänemark, Portugal, Spanien

2038: Deutschland

Antirassismus und System Change

Leider sind rassistische Gewalttaten und Morde in der Polizei Alltag. Auch im alltäglichen Leben werden äußerliche Merkmale zum Anhaltspunkt schärferer Kontrollen. Dies alles zeigt, dass der Rassismus ein strukturelles Problem ist. Die Klimakrise hat ihren Ursprung in kolonialistischen Strukturen und ausbeuterischen Industrien, die gleichen Wurzeln wie auch beim Rassismus. Klimagerechtigkeit heißt die Klimakrise als soziales Problem zu begreifen und es auch als solches bekämpfen. Für uns sind weltweite Solidarität und Antirassismus Grundlagen unseres Aktivismus. Aus diesen Gründen stellen wir uns deutlich gegen rassistische Polizeigewalt und solidarisieren uns mit den weltweiten Antirassismus und #BlackLivesMatter Protesten.

Doch nicht nur das: Aktivist*innen, die sich mit ihren Körpern gegen eine zukunftsschädigende Industrie stellen, werden vom Verfassungsschutz als linksextrem eingestuft, weil sie Kritik am bestehenden System üben. Doch viele Beispiele zeigen: Diese Kritik ist berechtigt. Ein #SystemChangeNotClimateChange ist notwendig, um effizienten Klimaschutz und globale Klimagerechtigkeit zu erreichen.

Wir zeigen uns solidarisch mit Ende Gelände und kämpfen gemeinsam mit ihnen für eine lebenswerte Zukunft und eine gerechtere Gesellschaft. Eure Blockaden sind ein wichtiges Mittel, um die Politik wachzurütteln und bleiben weiterhin notwendig. Das Kohlegesetz zeigt, dass wir dringend einen Wandel brauchen. Die Zukunft ist nicht verhandelbar – Klimagerechtigkeit jetzt!

Antifaschismus und Antirassismus

Statement der Ortsgruppen Sachsen-Anhalts

Die Ortsgruppen des Landes Sachsen-Anhalt bezeichnen sich mithilfe dieses Schreibens als antirassistisch und antifaschistisch. In einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft ist es für uns nicht tragbar, dass immer noch Menschen Opfer von Rassismus und Faschismus werden, dass Menschen andere umbringen, weil sie aus einem anderen Land sind und andere ethnische Hintergründe haben.

In Deutschland werden immer noch Menschen mit Migrationshintergrund verfolgt und als „andersartig“ oder automatisch „gefährlicher“ bezeichnet. Das ist etwas, dass unter keinen Umständen akzeptiert werden kann und sollte. Als Ortsgruppen einer Klimagerechtigkeitsbewegung ist die Charakterisierung als antirassistisch und antifaschistisch schon gegeben, mit diesem Statement wollen wir das aber noch einmal in aller Deutlichkeit klar machen. Als Ortsgruppen werden wir es uns in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren unser aktivistischen Arbeit zur Aufgabe machen für Antirassismus und Antifaschismus einzustehen, dafür zu demonstrieren, dafür zu kämpfen.

Wir werden uns in aller Härte für Gleichberechtigung einsetzen und Ereignisse jeglicher Art mit rassistischen oder faschistischen Hintergrund verurteilen und uns für die Gerechtigkeit einsetzen.

In diesen Zeiten, in denen noch immer rassistisch/ faschistisch motivierte Morde, hier und in der Welt, begangen werden und eine klar rassistische Partei an Größe gewinnt können wir nicht wegsehen, sondern müssen uns klar positionieren.

~ die Ortsgruppen des Landes Sachsen Anhalt

Fast Fashion

In diesem Beitrag soll es um „Fast Fashion” gehen, was der Begriff überhaupt bedeutet, warum „Fast Fashion” problematisch ist und welche Alternativen es gibt.

„Fast Fashion“ hat seit dem Jahr 2000 durch Modemarken wie H&M und Zara an Fahrt aufgenommen. Durch ständig wechselnde Angebote billigster Kleidungstücke in bis zu 24 Kollektionen pro Jahr wurde die Nachfrage nach Mode extrem angekurbelt.

Inzwischen kauft der durchschnittliche Deutsche etwa ​60 Kleidungsstücke pro Jahr und Person​ (nur Oberbekleidung). Dabei ist wenigen Menschen tatsächlich bewusst, welche Schäden die Herstellung dieser Kleidung verursacht. ​So wird 90 % der Mode im nichteuropäischen Ausland hergestellt und legt bei der Herstellung teilweise eine Strecke von 20 000 km zurück.

Mehr als ​70 % der Textilfasern bestehen aus Kunststoff. ​Durch Abrieb bei der Produktion und dem Gebrauch entsteht zudem Mikroplastik, das in Flüsse, Seen und Meere gelangt und eine Gefahr für Tiere, aber auch für die menschliche Gesundheit darstellt.

Die globale Textil- und Schuhindustrie verursacht ​acht Prozent der weltweiten Treibhaus-Emissionen.

Die in herkömmlichen Textilien verarbeitete konventionelle Baumwolle wird unter einem hohen Wasser- und Energieverbrauch angebaut. So werden für 1 kg Baumwolle bis zu 200 Badewannenfüllungen Wasser verbraucht.

Konventionelle Baumwollfelder werden intensiv mit Stickstoff gedüngt. Das führt zu starken Emissionen von ​Lachgas​ (NOx), welches einen ​298mal stärkeren Treibhauseffekt als CO2 ​hat.

Beim Anbau von konventioneller Baumwolle werden ​25 % der weltweit zum Einsatz kommenden Pestizide ​verspritzt. Hinzu werden z.T. hochgiftige Chemikalien bei der Textilveredlung (Färben, Oberflächenbehandlung) verwendet. Auf ein 1 kg Kleidung kommen hierfür 1 kg Chemikalien.

Neben den Umweltschäden werden bei der Textilproduktion die Menschenrechte in den Herstellerländern mit Füßen getreten. Die Arbeiter*innen sind Pestiziden und Chemikalien oft ohne jeden Arbeitsschutz ausgesetzt, die Fabrikhallen sind oft in marodem Zustand.

Die ArbeiterInnen arbeiten teils mehr als 12 h am Tag und können trotz des Risikos für Leib und Leben von ihrem Lohn kaum leben.

Billig und viel Kleidung kaufen, kurz tragen und schnell wegwerfen- das ist Fast Fashion.

Der Großteil unserer Kleidung kommt aus Ostasien, Lateinamerika und Osteuropa. Wenn Bekleidung auch in verschiedenen Erdteilen produziert wird, so ähnelt sich eins: Menschenrechts-, Sozial- und Sicherheitsstandards werden missachtet, obwohl das gegen internationale Verpflichtungen und gegen bestehende Selbstauflagen der Handelshäuser, ihre Verhaltenskodizes, verstößt.

Spätestens seit dem ​Einsturz des Fabrikgebäudes in Rana Plaza in Bangladesh im Jahr 2013 mit 1243 Toten​ kennt jeder die Probleme billig hergestellter Kleidung. Geändert hat sich seitdem kaum etwas. Großkonzerne wie Aldi, Adidas, Primark, H & M, Boss, Zara oder Kik wollen sich nicht auf faire Produktionsbedingungen festlegen.

Für uns als Verbraucher*innen bedeutet das: wer möglichst viel und billig (Fast Fashion) einkauft, finanziert ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, ungerechte Handelsstrukturen, den Einsatz von giftigen Chemikalien ohne ausreichenden Arbeitsschutz, ausbeuterische Kinderarbeit und ökologische Schäden gleich mit.

Daher ist es wichtig, einen neuen Modetrend zu setzen ​„Slow Fashion“ statt „Fast Fashion“​! Slow Fashion bedeutet z.B. langlebige, ökologisch und fair produzierte Kleidung zu kaufen. Hier gibt es Label auf die man achten sollte:

Inititative Lieferkettengesetz

Zahlreiche NGO fordern einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen, der alle Unternehmen verpflichtet, ihre Produktionskette zu kontrollieren. Unternehmen, die gegen Arbeitsrecht oder Umweltstandards verstoßen, sollten dafür haften. Geschädigte müssen auch vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können.https://lieferkettengesetz.de/page2image1634848

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Der „Grüne Knopf“

ist ein staatliches Textilsiegel, das Unternehmen verwenden dürfen, die soziale und ökologische Standards in ihrer Produktion einhalten. Viele NGO befürworten die Intention, kritisieren aber deutlich, dass es bisher ​keine verbindlichen staatlichen Kontrollen gibt und sich nicht alle Textilunternehmen zertifizieren lassen müssen.

https://www.gruener-knopf.de/

Es gibt in Halle einige Läden, die sozial und ökologisch
produzierte Mode anbieten.
Die Outdoorläden führen verschiedene Produkte mit dem Fairwear-Siegel. Welche Labels Fairwear-Marken führen, findet man hier: ​www.fairwear.org/brands

Politisch aktiv werden kann man z.B. bei der Kampagne für Saubere Kleidung, einem Netzwerk, dass sich seit Jahren für die Rechte der Arbeiter*innen in der internationalen Modeindustrie und für existenzsichernde Löhne einsetzt. https://saubere-kleidung.de/

Außerdem findet seit mehreren Jahren ​auch in Halle die Fashion Revolution Week​ mit verschiedenen Aktionen zum Thema Fast Fashion und Kleidung statt. Die Fashion Revolution Week 2020 wurde (wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen) auf den Herbst verschoben. Geplant ist u.a. ein faires Modekaufhaus auf Zeit in der Innenstadt mit vielfältigen Aktionen.

Gebrauchte Kleidung in Altkleidercontainer​ zu entsorgen, ist eher ​nicht empfehlenswert​. Nur das Zeichen „Fairwertung“ an den Containern würde eine verantwortungsvolle Entsorgung garantieren. In Halle gibt es keine Container der „Fairwertung“.

Lieber gebrauchte Kleidung im Sozialkaufhaus, in Kleiderkammern oder im Umsonstladen abgeben oder bei Kleidertauschpartys oder Flohmärkten eintauschen. Kleiderkreisel und andere Portale für gebrauchte Kleidung sind ebenfalls eine gute Lösung.
Nachhaltig ist es auch, beim Kleidungskauf auf Second Hand Ware zurückzugreifen oder seine Kleidung, z.B. aus alten Kleidungsstücken selbst zu nähen. Außerdem kann man Kleidung natürlich​ reparieren​ oder reparieren lassen (in einer der vielen Änderungsschneidereien in Halle) oder auch etwas Neues daraus herstellen (​Upcyceln​). In verschiedenen Nähcafés (z.B. JUHU) in Halle kann man die Kenntnisse dazu erwerben.

Quelle: ​www.inkota.de

Auch interessant: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf

Gesundheit ist keine Ware!

Gastbeitrag von Ende Gelände Halle

Redebeitrag der Ortsgruppe Ende Gelände Halle (Saale) zur Abschlusskundgebung der Aktionswoche „Vergesellschaften statt Klatschen“, 12.Mai 2020

Wir von der Ortsgruppe Ende Gelände Halle setzen uns für Klimagerechtigkeit ein. Wir stehen heute hier, weil wir soziale Kämpfe nur gemeinsam führen wollen. Klimagerechtigkeit geht immer mit einer Betrachtung der sozialen Frage und Kritik am kapitalistischen System einher!
Durch die Corona-Krise steht das Gesundheitssystem im Fokus. Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind, erhalten für ihren Einsatz vermehrt Anerkennung und Bewunderung. Diese bietet jedoch keine Hilfe bei der Finanzierung des Lebensunterhalts. Es sind vor allem Frauen, die von der schlechten Entlohnung und der gesundheitsschädigenden Schichtarbeit betroffen sind.
Die Krise des Gesundheitssystems existierte bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
Sowohl der Zustand unseres Gesundheitssystems, sowie die Corona-Krise als auch die ökologische Krise zeigen auf, dass in einem auf Wachstum und Profite ausgelegten Wirtschaftssystem ökonomische und sozialen Interessen gegeneinander abgewogen werden. Dadurch werden Ungleichheiten, die dann oft als „natürlich“ deklariert werden, verschärft.

Es wird also deutlich: die Auswirkungen von Krisen haben in einem kapitalistischen System immer auch etwas mit Privilegien zu tun. Vor Corona sind wir alle gleich? Nein! Weder die Corona-Krise noch die ökologische Krise treffen uns alle gleichermaßen. Die Folgen der Corona-Pandemie betreffen, genauso wie die Folgen der globalen Erderwärmung, die Menschen im Globalen Süden gravierend, obwohl es der Wohlstand des Globalen Norden ist, der am meisten zur Erderwärmung beigetragen hat.
Auch von den Folgen des Klimawandels sind besonders Frauen betroffen – wobei wir die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppen meinen, nicht das biologische Geschlecht. Frauen im Globalen Süden ist oft der Zugang zu Ressourcen und das Anrecht auf rechtlich gesicherten Besitz verwehrt, während sie zugleich häufiger in Bereichen arbeiten, die von den Folgen des Klimawandels stark betroffen sind. Vermehrte Dürren und Seuchen erschweren die Bedingungen für Landwirtschaft, Haushalt und Familienfürsorge beträchtlich: in Trockenzeiten müssen Frauen weitere Wege zurücklegen, um an Wasser zu gelangen. Teilweise brechen junge Mädchen die Schule ab, um ihren Müttern dabei zu helfen. Wenn klimabedingte Veränderungen zu Migration führen, bleiben meist die Frauen zurück – ohne die finanziellen und rechtlichen Ressourcen zu haben, um für ihre Familien zu sorgen.
Vor extremen Katastrophen, wie etwa der aktuellen globalen Pandemie, sind sie zudem oft schlechter geschützt – auch, weil sie sich weniger präventive Maßnahmen leisten können. Im Nachgang solcher Ereignisse werden sie häufiger Opfer sexueller Gewalt. Wenn zunehmende Wetterextreme negative Folgen für die Gesundheit bewirken, so wie beispielsweise Hitze und starke Regenfälle zu mehr Malariainfektionen führen, müssen sich vor allem Frauen um die Krankenpflege kümmern. (*1) Und das tun sie auch jetzt, während der Corona-Pandemie. Sowohl im Globalen Süden als auch in Deutschland.

Wir stehen heute hier, um auf die sozialen Ungleichheiten in allen Krisen aufmerksam zu machen!
Klimagerechtigkeit bedeutet Feminismus: Geschlechterspezifischen Zuschreibungen in Pflegeberufen müssen wir entgegenwirken. Pflegearbeit muss auch nach der Corona-Krise politisch anerkannt und aufgewertet werden.

Klimagerechtigeit bedeutet Solidarität auch über die EU-Außengerenzen hinweg! Geflüchteten müssen endlich menschenwürdige medizische Behandlungen und Schutzräume geboten werden.

Wir fordern die Veränderung des Gesundheitssystems als Anfang eines Systemwandels, in Richtung einer solidarischen Gesellschaft.
Genau dafür stehen wir hier als Ende Gelände – Fight every crisis!
SYSTEM CHANGE – NOT CLIMATE CHANGE

Ende Gelände – Halle (Saale)

(*1) https://dgvn.de/meldung/klimagerechtigkeit-und-geschlecht-warum-frauen-besonders-anfaellig-fuer-klimawandel-naturkatastroph/

Nie Wieder! Tag der Befreiung

Heute zum Tag der Befreiung zeigen wir erneut deutlich, dass wir antifaschistisch, antirassistisch und antisexistisch für eine klimagerechte Zukunft kämpfen. Um dieses Selbstverständnis verständlicher zu machen, teilen wir mit euch einen Redebeitrag von der „FFF gegen Rechts“-Demo am 17.01. in Magdeburg.

„Wir aus Halle, sind wie etwa 35 andere OGs heute hier nach Magdeburg gereist um ein Zeichen gegen Nazis und den Hass gegen FFF zu setzen. Für uns ist das Thema schon länger von großer Bedeutung, da der Anschlag im Oktober uns gezeigt hat, dass die Gewalt in unserer Gesellschaft mitten unter uns auftritt und jede und jeden von uns erwischen kann. Und deshalb freue ich mich besonders, dass wir heute so viele sind. Ich möchte etwas zu unseren Beweggründen sagen, warum wir überhaupt uns klar gegen Rechts positionieren, was Faschismus und Rassismus mit dem Klimawandel zu tun haben und warum ein solidarisches Klima in der Gesellschaft wichtig für den Kampf gegen die Klimakrise ist.

Der Klimawandel ist, wie wir es aktuell immer wieder sehen, ein internationales Problem und muss länderübergreifend gelöst werden. Wir als weltweite Bewegung haben die Internationalität der Klimakrise bereits erkannt, jedoch hat uns die Klimakonferenz im Dezember gezeigt, dass bei vielen Politiker*innen der Wille nicht existiert eine internationale Lösung gemeinsam mit anderen Staaten zu bewirken. Im globalen Süden werden immer mehr Menschen zum Opfer der Folgen der Klimakrise, obwohl sie nicht maßgeblich daran beteiligt sind. Klimagerechtigkeit ist daher ein sehr wichtiger Punkt für uns. Diese soziale Gerechtigkeit, mit der Klimaschutz immer verbunden ist, denn der Klimawandel ist auch ein soziales Problem, lässt sich nicht mit Faschismus, Rassismus oder sonstiger Diskriminierung vereinen.

In unseren öffentlichen Messengergruppen und auf sonstigen Social Media kommt es immer wieder zu Beleidigung von FFF Aktivist*innen und Hetze gegen uns. Ob mit gefälschten Demobildern oder Falschaussagen wird gegen uns argumentiert. Aus diesem Hass haben sich schon riesige Facebook Gruppen gegründet, wo Verschwörungstheoretiker, Nazis, AFDler*innen und Autofans zusammenkommen. Von diesen Gruppen aus kommt es immer wieder zu Spamattacken auf unsere Diskussionsgruppen. Doch die gute Nachricht: Die erste Fridays for Hubraum Demo in Leipzig hat gerade mal 5-10 Menschen umfasst. Lasst euch nicht unterkriegen. Unterstützt euch gegenseitig, seid solidarisch bei persönlichen Angriffen, Beleidigungen oder sonstigem Hass, denn jede und jeder kann Opfer rechter Gewalt werden. Hinzu kommt, dass viele Rechte Gruppen oder Parteien auf der ganzen Welt den Klimawandel leugnen und sich gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis stellen. Deshalb kommt es immer wieder zu Gewalt, angriffen oder Diffamierung gegenüber Klimagerechtigkeitsbewegungen. Staaten mit rechtsextremen in Führungspositionen haben oft eine sehr schlechte Klimabilanz und versuchen erst gar nicht gegen die Verschmutzung, die Katastrophen und die Erwärmung vorzugehen. Dort sind dann für das Weltklima bedeutende Wälder und Ökosysteme in Gefahr, weil Ressourcen ohne Rücksicht zerstörerisch ausgebeutet werden.

Doch nicht nur in anderen Ländern, auch in Deutschland ist der Hass und rechtes Gedankengut in der Gesellschaft zu finden. Übergriffe auf Fridays for Future und Hass im Netz machen das immer wieder deutlich. Zum Beispiel die Vorfälle in Zwickau und Göttingen haben mich sehr erschüttert. Es kann nicht sein, dass friedlich demonstrierende Jugendliche Opfer von Rechten Angriffen werden. Darum brauchen wir eine starke solidarische Gesellschaft. Wir dürfen uns nicht von solchen Einschüchterungsversuchen klein kriegen lassen, wir müssen uns unterstützen, zusammenhalten und müssen noch mehr Mut haben uns zu engagieren. Die Rechtsextremen erreichen mit solcher Gewalt, mit dem Hass und der Hetze gegen uns genau das Gegenteil, von dem, was sie erreichen wollen.

Menschenverachten, Diskriminierung und Feindlichkeit haben in einer solidarischen Gesellschaft nichts zu suchen. Faschismus, Rassismus und Antisemitismus sind besonders schädlich für das gesellschaftliche Klima und sprechen gegen jeden Menschenverstand. Deshalb zeigen wir klare Kante gegen Rechts: FFF ist und bleibt antifaschistisch.“

Seenotrettung jetzt!

Gastbeitrag von Seebrücke Halle

Die Corona-Krise hat in uns allen ein Gefühl der Solidarität erweckt. Wir alle fühlen mit. Wir versuchen das Leiden der Kranken nachzuvollziehen; wie es sich anfühlen muss, hilflos nach Luft zu schnappen. Es wurden in kürzester Zeit, Ressourcen, Kapital und gesellschaftliches Engagement zur Bewältigung der Krise mobilisiert.
Dass seit Jahren Menschen bei der Überquerung des Mittelmeeres auf der Flucht vor Dürre, Krieg, Verfolgung oder Elend ertrinken – im Wasser ersticken – bleibt vergessen. Die Welt – Europa, Deutschland – wendet sich der Krise mit freundlichem Antlitz zu. Das Ertrinken geht derweil weiter – lautlos. Bereits im letzten Jahr 2019 fanden mindestens 1327 Menschen bei der Überfahrt den Tod oder sind verschollen. Und auch in diesem Jahr mussten bereits wieder hunderte Menschen ihr Leben lassen.

Die privaten Organisationen zur Seenotrettung wie Sea-Watch, SOS Méditerraneé, Sea-Eye und viele andere konnten dabei durch ihren mutigen Einsatz den Tod vieler weiterer Menschen verhindern. Gleichzeitig wird private Seenotrettung jedoch behindert und kriminalisiert, vor Ort und in der Zivilgesellschaft.

Es ist daher wichtiger denn je, dass NGOs zur Seenotrettung bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützt werden. Seenotrettung bleibt aber Aufgabe der Mitgliedstaaten und der Europäische Union. Daher ist auch ein Einsatz für staatliche Seenotrettung notwendig.

Unsere Solidarität muss sich ausweiten. Gerade in den Zeiten der Krise schärft sich unser Mitgefühl. Gerade jetzt dürfen wir nicht wegsehen.
Empathie und Solidarität sind grenzenlos. Sie enden weder hinter der städtischen Klinik noch an nationalen Grenzen.

Seenotrettung, jetzt!

Klimagerechtigkeit

Der Klimawandel ist ja schon lange in aller Munde. Aber mit Klimagerechtigkeit können längst noch nicht alle etwas anfangen. Was meint mensch also damit?

„Den armen Ländern drohen Dürre, Überschwemmungen, Tod und Verderben, und uns Verursacher erwartet: besseres Wetter“
Das Känguru fasst den Kernaspekt ganz gut zusammen: Die Klimakrise ist nicht gerecht. Sie trifft uns nicht alle gleich. Sozial Schwächere, Indigene und Bewohner*innen des globalen Südens leiden dafür, dass uns bei 40°C eine Klimaanlage kühlt, wir ein Eis essen oder eben auch im Winter Erdbeeren kaufen können. Der westliche Lebensstil, die Konsumgesellschaft und der verschwenderische Umgang mit fossilen Energien führt dazu, dass Regionen unbewohnbar sind. Die Klimagerechtigkeitsbewegung will das ändern und fängt deshalb vor der Haustür an: Wir tragen eine große Mitschuld am Klimawandel, also müssen wir zuerst hier was verändern: Auf erneuerbare Energien umsteigen. Solidarität mit denen zeigen, die ihre Lebensgrundlage verloren haben. Und damit kann jede*r von uns sofort anfangen. Also, leg dein Handy weg, geh raus und tu was! Unterstütze lokale Initiativen, frag dich lieber zweimal, ob du etwas wirklich neu kaufen musst oder nicht doch irgendwie gebraucht bekommst, informiere dich über Klimagerechtigkeitsbewegungen in deiner Umgebung,…
Es gibt unzählige Möglichkeiten. Fang am besten jetzt an.

Verkehr und Transport – Klima und Politik

Gastbeitrag von Marco

Die Verkehrswende ist von Anfang an ein zentrales Thema der FFF, und auch hier hat die Politik noch nicht reagiert.

Dieser Artikel soll Denkanstöße zu den verschiedenen Ebenen des Problems geben und ein paar Gedanken anreißen. Alles andere füllt bereits Bücher.

Hier findet ihr ein spannendes Fridays for Future-Webinar über Verkehrswende. Weitere Webinare findet ihr hier.

Die individuelle Ebene 

Das sind die typischen “Verhalte dich gut!” Regeln. Tu dies, lass jenes. Nutze das Rad oder die Straßenbahn, fahre Zug, lass das Auto stehen, fliege weniger. Daran ist nichts falsch, aber die gesellschaftliche Wirksamkeit dieser Tipps ist sehr begrenzt.
Warum? Weil sie voraussetzen, dass sich sehr große Teile der Gesellschaft dauerhaft gegen alle äußeren Anreize verhalten, also aus moralischen Gründen das subjektiv unbequemere, weniger sichere, langsamere oder teurere Verkehrsmittel nutzen. Das wirkt in sehr frühen Phasen einer Transformation, also wenn Vorreiter beweisen, dass man auch ohne Auto gut leben kann, oder durch sehr groß angelegte, sehr gut vorbereitete Boykott- Aktionen (ein autofreier Monat).
Der Veganismus steht vor einem ähnlichen Problem – die erste Aufbauarbeit ist geleistet, jetzt fehlen die gesamtgesellschaftlichen Anreize, und selbst eine Verdoppelung aller 2 Jahre bräuchte zu lange für die heute drängenden Probleme.
Ziemlich lustig ist, dass immer wieder sogenannte “Liberale” auf diese Scheinlösung verweisen – die ist das Gegenteil dessen, worauf die Marktwirtschaft theoretisch und praktisch basiert. Wäre diese “jeder verhält sich aus Überzeugung ethisch, bis das Problem gelöst ist” Ansatz wirksam, könnte man ganz problemlos auf eine geldlose Anarchie wechseln, weil sich die meisten Menschen aus Überzeugung so verhalten würden, dass eine “gute” Gesellschaft herauskommt. Besonders deutlich wird das beim Transport: Wenn eine Firma langfristig gegen die ökonomischen Rahmenbedingungen arbeitet, zum Beispiel statt LKW auf heute langsamere, für die Firma teurere Güterzüge setzt, wird sie von der Konkurrenz überholt. 

Trotzdem lohnt es sich natürlich, autofrei oder mit geringer Autonutzung zu leben und auf die Emissionen aufzupassen, einfach um wenig individuelle Mitschuld am kommenden Leid zu haben.

Die politische Ebene 

Hier geht es beim Verkehr vor allem um die Verteilung von Ressourcen. Klingt abstrakt, ist aber sehr vielfältig. Wie wird die Straße in Städten für die verschiedenen Verkehrsarten aufgeteilt? Welche Verkehrsart bekommt wie viel Geld? Was zahlt man für knappe, wertvolle Flächen in der Stadt? Welche und wie viele Verkehrsplaner:innen stehen für welche Aufgaben zur Verfügung? Wofür gibt es Fördermittel, was wird wie stark besteuert (Kerosin ist steuerfrei)?

Da fließen immer noch die mit Abstand meisten Mittel in die Förderung des Kraftverkehrs (PKW, LKW). Die 350 Mio €, die für das Stück A 143 ausgegeben werden, würden für ein Netz aus Schnellradwegen  von 350 km ausreichen – das sind sehr gut ausgebaute Radwege, die viel Radverkehr auch mit hohen Geschwindigkeiten über längere Strecken ohne Behinderungen und Gefährdungen abwickeln können. 

Die Flächen in den Städten stehen in hohem Maß für stehenden und fließenden PKW- und Lastverkehr zur Verfügung, die Fußgänger:innen und Radfahrer:innen quetschen sich durch schmale Wege und gefährliche Kreuzungen. Die sogenannte Förderung der “Elektromobilität” beschränkt sich auf Autos, obwohl Pedelecs und E-Lastenräder der erfolgreichste Bereich der individuellen E-Mobilität sind. Während Autos mit Hybridantrieb, die zum großen Teil fossil betrieben fahren, massiv gefördert werden.

Ursachen des Politikversagens

Die Gründe für diese Schieflage in der Politik sind vielfältig. Gewohnheiten, Interessen, Ideologien und auch der Einfluss gut ausgestatteter Lobbyisten spielen gegen die notwendigen und sinnvollen Veränderungen. 

Dazu kommt die Kompetenzfrage: jeder ist Verkehrsteilnehmer, jede sieht sich als Expertin an – immer auf Basis der aktuellen Zustände und der subjektiven Perspektive. Verkehr durchzieht zwar unser gesamtes Leben, aber immer als Hilfsmittel, nie als Zweck (Radfahren um der Freude willen zähle ich eher als Tourismus/Freizeit/Sport). Das macht es so schwer, politischen Druck für Veränderungen aufzubauen und viele Menschen fundiert zu informieren oder gar zur Aktivität zu bekommen.

Möglichkeiten und Ziele

Was hilft hier? Leider sind alle Varianten auf eine oder andere Art mit Arbeit verbunden. Aber es gibt eine so breite Palette an Möglichkeiten, dass für jede was dabei sein sollte.

  1. Politische Arbeit: Such dir eine Partei oder Jugendorganisation, deren Verkehrspolitik in die richtige Richtung geht, oder unterstütze eine vorhandene Partei
  2. Aktivismus: es gibt viele Arten. Critical Mass, ADFC, Fahrraddemos.
  3. Bildung und Information: Geht in die Tiefe, belest euch bei Knoflacher und Gehlen, beschafft euch fundierte Informationen über Energie und Fläche, über Effizienz und lebenswerte Städte, halbvolle Züge und fast leere Autos, Kreuzungsdesign und Carsharing… Es gibt tausende Themen, viele davon schon gut erklärt.
  4. Organisiert euch: baut eine breite Kampagne auf, in der einen Monat ganz viele Familien das Auto so weit wie möglich stehen lassen. Mit Hilfe untereinander, gegenseitigen Kursen im autofreien Einkaufen oder autofreien Wegfahren. Es gibt Menschen, für die ist der Kauf des geeigneten Zugtickets eine großes Hürde.
  5. Kunst und Kultur: Sucht euch einen Aspekt heraus und bastelt Bildchen, Texte, Videos. Witzig, lehrreich, eingänglich, wie ihr wollt.
  6. Sucht, was an diesem Text hier alles nicht gut ist und schreibt mindestens einen besseren. 😉