Gesundheit ist keine Ware!

Gastbeitrag von Ende Gelände Halle

Redebeitrag der Ortsgruppe Ende Gelände Halle (Saale) zur Abschlusskundgebung der Aktionswoche „Vergesellschaften statt Klatschen“, 12.Mai 2020

Wir von der Ortsgruppe Ende Gelände Halle setzen uns für Klimagerechtigkeit ein. Wir stehen heute hier, weil wir soziale Kämpfe nur gemeinsam führen wollen. Klimagerechtigkeit geht immer mit einer Betrachtung der sozialen Frage und Kritik am kapitalistischen System einher!
Durch die Corona-Krise steht das Gesundheitssystem im Fokus. Menschen, die in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind, erhalten für ihren Einsatz vermehrt Anerkennung und Bewunderung. Diese bietet jedoch keine Hilfe bei der Finanzierung des Lebensunterhalts. Es sind vor allem Frauen, die von der schlechten Entlohnung und der gesundheitsschädigenden Schichtarbeit betroffen sind.
Die Krise des Gesundheitssystems existierte bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.
Sowohl der Zustand unseres Gesundheitssystems, sowie die Corona-Krise als auch die ökologische Krise zeigen auf, dass in einem auf Wachstum und Profite ausgelegten Wirtschaftssystem ökonomische und sozialen Interessen gegeneinander abgewogen werden. Dadurch werden Ungleichheiten, die dann oft als „natürlich“ deklariert werden, verschärft.

Es wird also deutlich: die Auswirkungen von Krisen haben in einem kapitalistischen System immer auch etwas mit Privilegien zu tun. Vor Corona sind wir alle gleich? Nein! Weder die Corona-Krise noch die ökologische Krise treffen uns alle gleichermaßen. Die Folgen der Corona-Pandemie betreffen, genauso wie die Folgen der globalen Erderwärmung, die Menschen im Globalen Süden gravierend, obwohl es der Wohlstand des Globalen Norden ist, der am meisten zur Erderwärmung beigetragen hat.
Auch von den Folgen des Klimawandels sind besonders Frauen betroffen – wobei wir die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppen meinen, nicht das biologische Geschlecht. Frauen im Globalen Süden ist oft der Zugang zu Ressourcen und das Anrecht auf rechtlich gesicherten Besitz verwehrt, während sie zugleich häufiger in Bereichen arbeiten, die von den Folgen des Klimawandels stark betroffen sind. Vermehrte Dürren und Seuchen erschweren die Bedingungen für Landwirtschaft, Haushalt und Familienfürsorge beträchtlich: in Trockenzeiten müssen Frauen weitere Wege zurücklegen, um an Wasser zu gelangen. Teilweise brechen junge Mädchen die Schule ab, um ihren Müttern dabei zu helfen. Wenn klimabedingte Veränderungen zu Migration führen, bleiben meist die Frauen zurück – ohne die finanziellen und rechtlichen Ressourcen zu haben, um für ihre Familien zu sorgen.
Vor extremen Katastrophen, wie etwa der aktuellen globalen Pandemie, sind sie zudem oft schlechter geschützt – auch, weil sie sich weniger präventive Maßnahmen leisten können. Im Nachgang solcher Ereignisse werden sie häufiger Opfer sexueller Gewalt. Wenn zunehmende Wetterextreme negative Folgen für die Gesundheit bewirken, so wie beispielsweise Hitze und starke Regenfälle zu mehr Malariainfektionen führen, müssen sich vor allem Frauen um die Krankenpflege kümmern. (*1) Und das tun sie auch jetzt, während der Corona-Pandemie. Sowohl im Globalen Süden als auch in Deutschland.

Wir stehen heute hier, um auf die sozialen Ungleichheiten in allen Krisen aufmerksam zu machen!
Klimagerechtigkeit bedeutet Feminismus: Geschlechterspezifischen Zuschreibungen in Pflegeberufen müssen wir entgegenwirken. Pflegearbeit muss auch nach der Corona-Krise politisch anerkannt und aufgewertet werden.

Klimagerechtigeit bedeutet Solidarität auch über die EU-Außengerenzen hinweg! Geflüchteten müssen endlich menschenwürdige medizische Behandlungen und Schutzräume geboten werden.

Wir fordern die Veränderung des Gesundheitssystems als Anfang eines Systemwandels, in Richtung einer solidarischen Gesellschaft.
Genau dafür stehen wir hier als Ende Gelände – Fight every crisis!
SYSTEM CHANGE – NOT CLIMATE CHANGE

Ende Gelände – Halle (Saale)

(*1) https://dgvn.de/meldung/klimagerechtigkeit-und-geschlecht-warum-frauen-besonders-anfaellig-fuer-klimawandel-naturkatastroph/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.