Fast Fashion

In diesem Beitrag soll es um „Fast Fashion” gehen, was der Begriff überhaupt bedeutet, warum „Fast Fashion” problematisch ist und welche Alternativen es gibt.

„Fast Fashion“ hat seit dem Jahr 2000 durch Modemarken wie H&M und Zara an Fahrt aufgenommen. Durch ständig wechselnde Angebote billigster Kleidungstücke in bis zu 24 Kollektionen pro Jahr wurde die Nachfrage nach Mode extrem angekurbelt.

Inzwischen kauft der durchschnittliche Deutsche etwa ​60 Kleidungsstücke pro Jahr und Person​ (nur Oberbekleidung). Dabei ist wenigen Menschen tatsächlich bewusst, welche Schäden die Herstellung dieser Kleidung verursacht. ​So wird 90 % der Mode im nichteuropäischen Ausland hergestellt und legt bei der Herstellung teilweise eine Strecke von 20 000 km zurück.

Mehr als ​70 % der Textilfasern bestehen aus Kunststoff. ​Durch Abrieb bei der Produktion und dem Gebrauch entsteht zudem Mikroplastik, das in Flüsse, Seen und Meere gelangt und eine Gefahr für Tiere, aber auch für die menschliche Gesundheit darstellt.

Die globale Textil- und Schuhindustrie verursacht ​acht Prozent der weltweiten Treibhaus-Emissionen.

Die in herkömmlichen Textilien verarbeitete konventionelle Baumwolle wird unter einem hohen Wasser- und Energieverbrauch angebaut. So werden für 1 kg Baumwolle bis zu 200 Badewannenfüllungen Wasser verbraucht.

Konventionelle Baumwollfelder werden intensiv mit Stickstoff gedüngt. Das führt zu starken Emissionen von ​Lachgas​ (NOx), welches einen ​298mal stärkeren Treibhauseffekt als CO2 ​hat.

Beim Anbau von konventioneller Baumwolle werden ​25 % der weltweit zum Einsatz kommenden Pestizide ​verspritzt. Hinzu werden z.T. hochgiftige Chemikalien bei der Textilveredlung (Färben, Oberflächenbehandlung) verwendet. Auf ein 1 kg Kleidung kommen hierfür 1 kg Chemikalien.

Neben den Umweltschäden werden bei der Textilproduktion die Menschenrechte in den Herstellerländern mit Füßen getreten. Die Arbeiter*innen sind Pestiziden und Chemikalien oft ohne jeden Arbeitsschutz ausgesetzt, die Fabrikhallen sind oft in marodem Zustand.

Die ArbeiterInnen arbeiten teils mehr als 12 h am Tag und können trotz des Risikos für Leib und Leben von ihrem Lohn kaum leben.

Billig und viel Kleidung kaufen, kurz tragen und schnell wegwerfen- das ist Fast Fashion.

Der Großteil unserer Kleidung kommt aus Ostasien, Lateinamerika und Osteuropa. Wenn Bekleidung auch in verschiedenen Erdteilen produziert wird, so ähnelt sich eins: Menschenrechts-, Sozial- und Sicherheitsstandards werden missachtet, obwohl das gegen internationale Verpflichtungen und gegen bestehende Selbstauflagen der Handelshäuser, ihre Verhaltenskodizes, verstößt.

Spätestens seit dem ​Einsturz des Fabrikgebäudes in Rana Plaza in Bangladesh im Jahr 2013 mit 1243 Toten​ kennt jeder die Probleme billig hergestellter Kleidung. Geändert hat sich seitdem kaum etwas. Großkonzerne wie Aldi, Adidas, Primark, H & M, Boss, Zara oder Kik wollen sich nicht auf faire Produktionsbedingungen festlegen.

Für uns als Verbraucher*innen bedeutet das: wer möglichst viel und billig (Fast Fashion) einkauft, finanziert ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, ungerechte Handelsstrukturen, den Einsatz von giftigen Chemikalien ohne ausreichenden Arbeitsschutz, ausbeuterische Kinderarbeit und ökologische Schäden gleich mit.

Daher ist es wichtig, einen neuen Modetrend zu setzen ​„Slow Fashion“ statt „Fast Fashion“​! Slow Fashion bedeutet z.B. langlebige, ökologisch und fair produzierte Kleidung zu kaufen. Hier gibt es Label auf die man achten sollte:

Inititative Lieferkettengesetz

Zahlreiche NGO fordern einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen, der alle Unternehmen verpflichtet, ihre Produktionskette zu kontrollieren. Unternehmen, die gegen Arbeitsrecht oder Umweltstandards verstoßen, sollten dafür haften. Geschädigte müssen auch vor deutschen Gerichten ihre Rechte einklagen können.https://lieferkettengesetz.de/page2image1634848

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Der „Grüne Knopf“

ist ein staatliches Textilsiegel, das Unternehmen verwenden dürfen, die soziale und ökologische Standards in ihrer Produktion einhalten. Viele NGO befürworten die Intention, kritisieren aber deutlich, dass es bisher ​keine verbindlichen staatlichen Kontrollen gibt und sich nicht alle Textilunternehmen zertifizieren lassen müssen.

https://www.gruener-knopf.de/

Es gibt in Halle einige Läden, die sozial und ökologisch
produzierte Mode anbieten.
Die Outdoorläden führen verschiedene Produkte mit dem Fairwear-Siegel. Welche Labels Fairwear-Marken führen, findet man hier: ​www.fairwear.org/brands

Politisch aktiv werden kann man z.B. bei der Kampagne für Saubere Kleidung, einem Netzwerk, dass sich seit Jahren für die Rechte der Arbeiter*innen in der internationalen Modeindustrie und für existenzsichernde Löhne einsetzt. https://saubere-kleidung.de/

Außerdem findet seit mehreren Jahren ​auch in Halle die Fashion Revolution Week​ mit verschiedenen Aktionen zum Thema Fast Fashion und Kleidung statt. Die Fashion Revolution Week 2020 wurde (wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen) auf den Herbst verschoben. Geplant ist u.a. ein faires Modekaufhaus auf Zeit in der Innenstadt mit vielfältigen Aktionen.

Gebrauchte Kleidung in Altkleidercontainer​ zu entsorgen, ist eher ​nicht empfehlenswert​. Nur das Zeichen „Fairwertung“ an den Containern würde eine verantwortungsvolle Entsorgung garantieren. In Halle gibt es keine Container der „Fairwertung“.

Lieber gebrauchte Kleidung im Sozialkaufhaus, in Kleiderkammern oder im Umsonstladen abgeben oder bei Kleidertauschpartys oder Flohmärkten eintauschen. Kleiderkreisel und andere Portale für gebrauchte Kleidung sind ebenfalls eine gute Lösung.
Nachhaltig ist es auch, beim Kleidungskauf auf Second Hand Ware zurückzugreifen oder seine Kleidung, z.B. aus alten Kleidungsstücken selbst zu nähen. Außerdem kann man Kleidung natürlich​ reparieren​ oder reparieren lassen (in einer der vielen Änderungsschneidereien in Halle) oder auch etwas Neues daraus herstellen (​Upcyceln​). In verschiedenen Nähcafés (z.B. JUHU) in Halle kann man die Kenntnisse dazu erwerben.

Quelle: ​www.inkota.de

Auch interessant: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/s01951_greenpeace_report_konsumkollaps_fast_fashion.pdf

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