Agrarwende – Zukunftsfähige Landwirtschaft

Gastbeitrag von Wenke von Students for Future Halle

Landwirtschaft ist ein riesiger Kosmos. Es geht um die Produktion unserer Lebensmittel, die großen Einfluss auf unsere Umwelt, unsere Gesundheit, unser Wasser, die Biodiversität, tierethische Fragen u.v.m hat. Deshalb wollen wir in der kommenden Woche einen kurzen Blick auf diesen Kosmos werfen und aufzeigen, was sich alles in Sachen Nachhaltigkeit ändern sollte und wie die Landwirtschaft vom Klimawandel betroffen ist.
In der öffentliche Debatte fehlt es oft an Wissen über elementare landwirtschaftliche Zusammenhänge. Die Expert*innen, die Landwirt*innen, die Umweltschützer*innen bleiben unter sich und es gibt nur wenig Austausch.
Um dies zu ändern gibt es in Halle die Vorlesungsreihe `Zukunftsfähige Landwirtschaft`
https://www.landw.uni-halle.de/stud/lv-ws/zulawi/
Einige ihrer Videos kann man online nachschauen:
https://www.youtube.com/channel/UClaj4AORO4EFQwDc2GkXwPA

So widmete sich Dr. Benjamin Leon Bodirsky dem Zusammenhang von Landwirtschaft, Ernährung und Klimawandel:

Hört auf die Wissenschaft!

Gastbeitrag von Students for Future Halle

Wenn wir sagen „Wir hören auf die Wissenschaft“ fordern wir die Politik auf, die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst zu nehmen und in politische Maßnahmen umzusetzen. Aber was macht „Wissenschaft“ eigentlich aus?

„Die Wissenschaft“ findet nicht, wie manchmal gedacht, im luftleeren Raum statt – und auch nicht allein im Elfenbeinturm. Auch wenn sie Neutralität anstrebt, kann diese nie vollkommen erreicht werden. So sind die Maßstäbe nach denen wissenschaftlich gearbeitet wird auch immer ein Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen die eigene Vorgehensweise nachvollziehbar offenlegen können. Dabei ist es wichtig, sich der Grundlage der eigenen Forschung bewusst zu sein. Das heißt: die wichtigsten Erkenntnisse und Forschungsgrundlagen des eigenen Themengebietes zu kennen und zu nennen, wenn sich auf diese bezogen wird. Die Erkenntnisse des menschengemachten Klimawandels wurden in den letzten Jahrzehnten überprüft, immer wieder angezweifelt und dann erneut bestätigt. Das nennt man wissenschaftliches Arbeiten.
Auch wenn einzelne Fehler und auf jeden Fall Unsicherheiten einzelner Ergebnisse immer eine Möglichkeit sind – wie in allen anderen Aspekten des Lebens – ist es wichtig, bestimmte Erkenntnisse nach erfolgter Überprüfung als Tatsachen anzunehmen und ihnen entsprechend zu handeln. 99,8% der Klimatolog*innen, also Wissenschaftler*innen, die sich seit Jahrzehnten mit dem Verhalten des Klimas auseinandersetzen, sind sich einig darüber, dass der menschengemachte Klimawandel verheerende Folgen für unseren Planeten, unsere Umwelt und auch auf uns Menschen haben wird. Ebenfalls herrscht sehr große Einigkeit darüber, dass die Zeit ausläuft und nur noch wenige Jahre bleiben, bis die entstehenden Schäden nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Und deshalb unser Appell und die Politik aber auch an die Zivilgesellschaft: Schaut auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse sie machen es notwendig, jetzt Konsequenzen aus ihnen zu ziehen und zu handeln!

Wir brauchen den Wechsel!

Gastbeitrag von XR Halle

Liebe Leute von Fridays for Future,
Ich bin Silke und neben XR Halle schon einige Jahre bei Attac aktiv. Mein Einstiegsthema war die Kernkraft. Auch da ging es schon um die Energiewende und auch da wurde erzählt, der Umstieg auf regenerative Energien sei nicht möglich. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dort hin ist die dezentrale Energieversorgung mit Bürger*Innenbeteiligung. Ein super Beispiel, dass dies möglich ist, sind die Energiewerke Schönau, auch die Schönauer Stromrebellen genannt. Nach dem Supergau von Tschernobyl 1986 waren viele Menschen schockiert und wollten aus der gefährliche Kernenergie aussteigen. Teile der Schönauer Bevölkerung wollten dabei nicht auf Politiker und Energieversorger warten. Den Stromrebellen war klar geworden, dass eine ökologische Stromversorgung nur dann entstehen kann, wenn sie ihre Stromversorgung selbst in die Hand nehmen, sprich das örtliche Stromnetz übernehmen.
Der 2007 erschienene einstündige Dokumentarfilm “Das Schönauer Gefühl“ schildert die außergewöhnliche Geschichte der Schönauer Stromrebellen von Tschernobyl bis zum zehnjährigen Jahrestag der Stromnetzübernahme. Er soll andere Menschen und Initiativen über die Initiative informieren und zu bürgerschaftlichem Engagement motivieren.
https://www.ews-schoenau.de/ews/geschichte/
An den Stadtwerken Halle ist kein Energiekonzern beteiligt. Da sollte es möglich sein, ins Gespräch darüber zu kommen, wie wir eine wirkliche Energiewende hin bekommen. Dazu muss man auch einige Zusammenhänge zum bestehenden Wirtschaftssystem verstehen. Denn das ständige Wachstum auf einem begrenzten Planeten ist nicht möglich. Also muss auch die Wirtschaft umgebaut werden. Viel Energie müsste gar nicht erst erzeugt werden. Schaut euch nur die Nutzungsdauer von Produkten an. Die wird immer kürzer. Was ist das für eine Ressourcenverschwendung? Das ist schon ein anderes Thema. Aber ich denke, wenn wir schauen, wo alles Energie eingespart werden kann, sind wir der Erreichung von 100% Energieversorgung durch regenerative Energie ein ganzes Stück näher. Die ökologischste Energie ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss.

Im Jahr 2020 soll ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gehen. Das ist eine Katastrophe. Wir werden das nicht still hinnehmen, sondern lautstark deutlich machen: DATTELN IV – NICHT MIT MIR!!!
Auch in Zeiten von Covid-19 ist es wichtig der Politik zu zeigen, so kann es nicht weitergehen. Außerdem darf es nicht sein, dass Klimaschutz und Menschenleben retten in Griechenland für Politiker*innen plötzlich keine Bedeutung mehr haben. Corona ist aktuell das dringendste Thema, jedoch dürfen wir die langfristigen Krisen nicht aus den Augen verlieren und müssen auch dort schnelle und engagierte Lösungen finden.

Kohleausstieg

Gastbeitrag der Ende Gelände Ortsgruppe Halle.

Uns als Ortsgruppe bewegen die Geschehnisse um die Corona-Pandemie sehr, wie die Überlastung in der Care-Arbeit, die wirtschaftliche Situation von Selbstständigen, der Schutz von Risikogruppen, die Notlage der Geflüchteten in Griechenland. Wir reden viel darüber, wie wir mit dieser Situation in unserer politischen Arbeit umgehen können und müssen.

Es ist offenkundig, dass ein weiterer Abbau und die Verbrennung von Kohle in Deutschland dem 1,5 Grad-Ziel entgegenstehen. Der Kohleausstiegsplan der Bundesregierung ist deshalb katastrophal, denn mit einem stufenweisen Ausstieg bis 2038 lassen sich die internationalen Klimaziele niemals erreichen. Das zeigt die Ignoranz gegenüber der drängenden Notwendigkeit schnell zu handeln angesichts von Kipppunkten der Erderwärmung.
Es ist geradezu grotesk, dass mit Datteln IV noch 2020 ein neues Steinkohle-Kraftwerk ans Netz ging. Dieses ist zwar effizienter, führt aber durch hohe Auslastung auch zu hoher CO2-Emission.
Die Steinkohle, welche in Datteln IV verfeuert wird, kommt zudem nicht aus Deutschland, sondern wird in Nordkolumbien und Sibirien eingekauft. Mit dem Resultat, dass dort Gemeinden zwangsumgesiedelt und der indigenen Bevölkerung ihre Landrechte entzogen werden.
Hier zeigen sich neokoloniale Beziehungen zwischen Deutschland und dem globalen Süden. Aber damit nicht genug. Der Kohleausstieg bedeutet zugleich eine Bedrohung der Existenzsicherung der Arbeiter*innen in der Kohle in Deutschland. Im Zentrum muss demnach zwingend auch die Zukunft der Kohlearbeiter*innen stehen. Wir als Klima-Gruppen müssen uns mit den Betroffenen solidarisieren! Unser Fokus sollte auf den Energieunternehmen und der Bundesregierung liegen, welche Verantwortung übernehmen müssen. Deutschland als reiche Industrienation steht in der Pflicht, seinen Eigenanteil an der Erderwärmung drastisch zu reduzieren. Wir haben die Möglichkeiten! Die Konsequenzen des Klimawandels sind katastrophal und nicht hinnehmbar.

Es heißt also Klimagerechtigkeit global, lokal und systemkritisch zu denken – soziale und ökologische Kämpfe miteinander zu verbinden!

Was ist eigentlich Energiewende?

Gastbeitrag von Scientist for Future Halle

Energiewende steht für die Abkehr von konventionellen, fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl und Erdgas aber auch Kernenergie, hin zu sogenannten erneuerbaren Energien, wie z.B. Sonnenergie oder Windenergie. Die Folgen der konventionellen Energieerzeugung, wie die Erderhitzung aufgrund der freigesetzten THG, Luftverschmutzung und Zerstörung von Ökosystemen werden bis dato kaum berücksichtigt. Dies soll sich mit der Energiewende ändern.

Das heißt also: Dekarbonisierung der Energiewirtschaft und der Ausstieg aus der Kernenergie, welche ein immenses Gefahrenpotential und Langzeitprobleme durch radioaktiven Abfall mit sich bringt. Es ist also eine Wende hin zu einer nachhaltigen Form der Energieerzeugung.
Wir wissen dank des Fraunhofer ISE, dass die Energiewende in DE funktionieren kann und was es kosten würde – bestenfalls 0,4% und maximal 2% des BIP Deutschlands.
https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html

Wieso sollten wir schleunigst damit anfangen?


Die Wissenschaft ist sich sicher, dass unsere Erde nur noch begrenzte Anteile von THG in der Atmosphäre aufnehmen kann, bis sie sich soweit erhitzt, dass aufgrund von Kettenreaktionen in unserem System Erde eine Erwärmung von über 4° zu erwarten ist. Dies wäre fatal für das Leben auf der Erde und insbesondere der Menschheit. In einer 4° wärmeren Erde können vsl. nur rund 1 Mrd. Menschen überleben. Unser THG Budget reicht bestenfalls noch 7 – 10 Jahre beim Status Quo, um diese Schwelle nicht zu übersteigen. Deshalb müssen wir sofort damit anfangen die Energiewende durchzusetzen.